Die POLYVAGAL-THEORIE: Erlebbare Wissenschaft


Haben Sie sich schon einmal Gedanken darüber gemacht, woher Sie wissen, ob von der Person in Ihrer Umgebung eine Gefahr ausgeht oder nicht? Wieso Sie sich in der Nähe von vertrauten Personen sicher und ruhig fühlen? Weshalb ein Baby die Umarmung eines Fremden als Übergriff empfindet und deshalb zu weinen beginnt?


Die Polyvagal Theorie ist keine Top-Down-Geschichte. Sie ist keine Theorie, die man bloss intellektuell erfassen kann, sondern sie ist erlebbar. Sie beschreibt, wie über die Neurozeption in jeder Millisekunde im Hirnstamm entschieden wird, ob wir uns in Sicherheit, Bedrohung oder Lebensgefahr befinden. Was wir dann in uns wahrnehmen, sind die Folgen dieser Entscheidung. 

 

Die Übungen, welche ich in die Therapiesitzungen integriere, kommen aus dem Neuro Yoga® und zielen darauf ab, unser polyvagal funktionierendes Nervensystem zu erleben und uns selbst besser zu verstehen. Dies trägt im Wesentlichen zu einer deutlichen Verbesserung unserer Neuroregulation bei. Wir lernen, unsere neuronalen Schaltkreise zu deuten und unser Nervensystem immer wieder in das Gefühl von Sicherheit - in den ventralen Vagus - zu bewegen. Dissoziative Zustände und Aktivierungen sind dabei unumgängliche und wertvolle Erfahrungen, die wir im Verlaufe unseres Lebens machen dürfen, und die unseren Charakter als inkarniertes Wesen ausmachen. Doch Integration und somit spirituelles Wachstum kann nur in Sicherheit geschehen. Die Fähigkeit, selbstbestimmt in diesen Zustand zu regulieren, wird durch Neuro Yoga® bewusst gefördert. Deshalb ist die Basis von Neuro Yoga das Verstehen der Polyvagal-Theorie.


Basis für das Verständnis von Traumata und Neuroregulation


 

Der Prozess der Neurozeption ist ein hauptsächlicher Bestandteil  in Stephen Porges (2010) Polyvagal-Theorie. Bei der Neurozeption handelt es sich um ein System unbewusster Wahrnehmung, welches uns mittels neuronaler Schaltkreise einschätzen lässt, ob bestimmte Menschen oder Situationen sicher, gefährlich oder gar lebensbedrohlich für uns sind. Die Neurozeption findet in den primitiven Teilen unseres Gehirns statt und aktiviert entweder prosoziale oder defensive Verhaltensweisen. Diese Einschätzung, ob eine Person vertrauenswürdig ist (oder vertraut) scheint im Schläfenlappen unseres Kortex stattzufinden und basiert auf bestimmten Bewegungen des Gesichts oder der Extremitäten sowie auf dem sprachlichen Ausdruck (Prosodie).  Gelangen wir zu der Einschätzung, dass keine Gefahr droht, werden diejenigen Hirnareale gehemmt, mittels bestimmter neuronaler Schaltkreise, welche die Defensivstrategien (Kampf, Flucht, Erstarren) organisieren und es kommt zur Aktivierung des Systems, welches mit prosozialem Verhalten assoziiert ist. Verändert sich die Situation bzw. die Bewegungen unseres Gegenübers in der Form, dass eine Gefahr droht, dann werden die Defensivstrategien aktiviert und das System sozialen Engagements blockiert.

 

 

Prosoziales Verhalten und der Aufbau von sozialen Beziehungen

Um soziale Beziehungen eingehen zu können, ist es notwendig, dass wir Defensivreaktionen (also Verteidigungsstrategien) außer Kraft setzen. Hierfür verfügen wir über entsprechende anpassungsfähige neurobehaviorale Systeme. 

Um effektiv zwischen unseren Verteidigungsreaktionen und Strategien sozialen Engagements wechseln zu können, ist es zunächst notwendig, dass wir richtig einschätzen können, wie gefährlich die Situation gerade ist, in der wir uns befinden. Besteht keine Gefahr, müssen anschließend die Hirnareale für Defensivreaktionen gehemmt und diejenigen für das prosoziale Verhalten aktiviert werden.

Für bestimmte prosoziale Aktivitäten, wie z.B. Umarmungen, bei der Paarung oder beim Stillen von Kindern, ist es jedoch auch wichtig, dass eine "normale" Immobilisationsreaktion zustande kommt. Hierfür wurden im Verlauf der Evolution bestimmte Schaltkreise im Gehirn derart modifiziert, dass die Erfüllung intimer sozialer Bedürfnisse möglich wurde. So entstanden z.B. in diesen Arealen Rezeptoren für das sogenannte "Bindungshormon" Oxytocin. Wenn wir uns sicher fühlen, macht es uns die Ausschüttung von Oxytocin möglich, eine Umarmung zu genießen. Fühlen wir uns hingegen nicht sicher, wird kein Oxytocin ausgeschüttet und wir erstarren (Defensivreaktion - Totstellen) oder setzen uns zur Wehr (Defensivreaktion - Kampf- oder Flucht-Reaktion), wenn uns jemand zu nahe kommt oder uns umarmen möchte.

 

Bedeutung der Neurozeption

In einer neuen Umgebung oder wenn wir auf fremde Menschen treffen erkennt unser Nervensystem  in der Regel, ob wir uns in Gefahr befinden und es finden unbewusst bereits verschiedene neuronale Prozesse statt. Und auch wenn wir kognitiv keinen Grund für unsere Angst erkennen können, kann unser Körper bereits neurophysiologisch reagieren (z.B. Herz fängt an zu rasen, wir zittern, erblassen).

 

Für uns wichtige Personen und Freunde sind in der Lage, unsere Defensivstrategien zu hemmen und prosoziales Verhalten zu aktivieren. Dies liegt daran, dass Areale im Schläfenlappen des Kortex aktiviert werden bei vertrauten Gesichtern oder Stimmen, die verantwortlich sind für prosoziales Verhalten. Außerdem werden gleichzeitig Hirnareale gehemmt, die für die Steuerung der Defensivstrategien zuständig sind.

 

Eine gestörte Neurozeption, also die Unfähigkeit richtig zu unterscheiden, ob unser Gegenüber vertrauenswürdig oder unsere Umgebung sicher ist, kann verantwortlich für verschiedene psychische Störungen, wie z.B. Autismus, Angststörungen, Depression oder PTBS, sein.

 

Das Autonome Nervensystem

Unsere neurobiologische Reaktion auf Reize unserer Umgebung wird beeinflusst durch unser autonomes Nervensystem, welches sich nach Porges Polyvagal-Theorie, in drei Subsysteme gliedern lässt: 

  • Der ventral-parasympathische Zweig des Vagusnerves (System soziales Engagement)
  • Das sympathische System (Kampf - Flucht)
  • Der dorsal- parasympathische Zweig des Vagusnerves (Immobilisierungsreaktion).

Evolutionsgeschichtlich ist das System sozialen Engagements das jüngste und komplexteste der drei oben genannten Systeme unseres autonomen Nervensystems und entspricht der Zone optimalen Arousals. Es ist dafür verantwortlich, dass wir schnell auf unsere Umgebung eingehen und rasch mit anderen Menschen in Beziehung treten können. Gleichzeitig ist es in der Lage, unsere z.B. Herzfrequenz zu regulieren, ohne das hierfür das sympathische Nervensystem aktiviert werden muss. Das System sozialen Engagements steuert mittels des Musculus orbicularis oculi die Augenlider, ausserdem umfasst es die Mittelohrmuskeln, Kehlkopfmuskeln, Kaumuskeln sowie diejenige Muskulatur, welche für das Kippen und Drehen unseres Kopfes verantwortlich ist. All dies dient der Filterung sozialer Reize und ermöglicht es uns, mit unserer sozialen Umgebung in Verbindung zu treten. Wir erkennen u.a. die Prosodie (=Betonung, Rhythmus, Intonation) menschlicher Stimmen und können den Gesichtsausdruck unseres Gegenübers beobachten und zuordnen. Befinden wir uns in nicht-bedrohlichen Situationen, dann hilft uns dieses System, uns flexibel anzupassen, soziale Beziehungen aufzubauen und positive Bindungen einzugehen.

 

Erweisen sich derartige Bemühungen in bestimmten Situationen jedoch als zwecklos, aktiviert das System sozialen Engagements automatisch unser sympathisches Nervensystem, welches etwas primitiver und unflexibler ist. Kommt dieses zum Einsatz, wird das Arousal erhöht (Bereich des Hyperarousals) und unsere Überlebensmechanismen werden aktiviert. Unser Körper mobilisiert hierbei sämtliche ihm zur Verfügung stehende Energie und bereitet sich auf eine starke Aktivität vor. Dadurch wird z.B. unsere Atmung vertieft und beschleunigt, unsere Herzfrequenz steigt an, Blut aus der Oberfläche fließt in unsere Muskeln, wohingegen die Blutzufuhr zum Kortex verringert wird, unsere Wachsamkeit gegenüber unserer Umgebung wird erhöht und Körpersysteme die wir gerade nicht benötigen (z.B. Verdauung, Sexualtrieb) werden heruntergefahren. Wir sind bereit zu kämpfen oder fliehen. Führt dieses Verhalten zum Erfolg, reduziert sich einerseits das Ausmaß der Bedrohung und andererseits werden die entsprechenden Botenstoffe, die ausgeschüttet wurden im Rahmen der Alarmreaktion (z.B. Adrenalin, Cortisol), abgebaut. Dies führt dazu, dass das Arousal wieder in den optimalen Zustand zurückfällt.

 

Wenn beide bisher erläuterten Systeme jedoch versagen, wird schließlich der dorsal-parasympathische Zweig des Vagusnerves aktiviert (der nicht-myelinisierte Zweig), welches gleichzeitig das primitivste und älteste System darstellt. Aktiviert wird dieser Zweig u.a. durch Hypoxie (also Sauerstoffmangel in den Körpergeweben), die Wahrnehmung, zu sterben oder intensiven und permanenten Stress. Es kommt zu einem Absinken des Arousals  in die Hypo-Arousal-Zone, zum Absenken der Herz- und Atemfrequenz, zur Muskelentspannung sowie zu Gefühlen von Taubheit und Distanz (Dissoziation). Weiterhin scheint unsere Stimme wie erstickt zu sein, so dass wir nicht in der Lage sind, zu schreien. Seine Überlebenssicherungsstrategie ist die Immobilisation, also das Erstarren bzw. Totstellen und durch die Einschränkung vieler Körperfunktionen soll Energie erhalten werden.

Nachteile dieser hierarchischen Gliederung

 

Welche Auswirkungen hat das Blockieren des System sozialen Engagements?

Die Betroffenen haben u.a. Schwierigkeiten dabei, positive Emotionen von Personen in ihrer Umgebung adäquat wahrzunehmen und einzuschätzen, d.h. es fällt ihnen schwer, deren Mimik und Körperhaltung richtig zu deuten. Außerdem gelingt es ihnen kaum, ihre eigenen Affekte differenziert wahrzunehmen. Wenn diese Fähigkeit jedoch gestört ist, ist es kaum möglich, herauszufinden, ob das Gegenüber Feind oder Freund ist. Sie wissen also nicht, wann sie sich in Gefahr oder in Sicherheit befinden. Dadurch bleibt es ihnen auch verwehrt, in einen offenen Kontakt zu ihren Mitmenschen zu treten, von ihnen Unterstützung zu empfangen oder beruhigende Gefühle auszutauschen. Ihre Fähigkeit für soziale Kontakte ist demnach zum großen Teil reduziert und sie bleiben von ihren Mitmenschen isoliert.

 

Dieser Aspekt ist v.a. im therapeutischen Setting relevant, wenn es um den Aufbau einer therapeutischen Beziehung geht. Oft gelingt es den traumatisierten Patienten nicht, die Unterstützung ihres Therapeuten anzunehmen, was, wie sie jetzt bereits wissen, aber nicht daran liegt, dass sie nicht wollen, sondern dass sie durch ihr Feststecken im Immobilisationssystem oder Kampf-Flucht-System schlicht und ergreifend einfach nicht können.

 

Besonderheiten bei traumatisierten Personen

Chronisch vernachlässigte, stark traumatisierte oder misshandelte Personen werden meist vom Immobilitätssystem und akut traumatisierte Menschen vom Kampf- oder Flucht-System dominiert.


Die Polyvagaltheorie hilft uns zu verstehen, dass beide Äste des Vagusnervs den Körper beruhigen, dies jedoch auf unterschiedliche Weise. Das Herunterfahren oder Einfrieren oder Schwächen erfolgt über den dorsalen Ast des Vagusnervs. Diese Reaktion kann sich wie die Erschöpfung der Muskeln und die Benommenheit einer schweren Grippe anfühlen. Wenn der Nervus vagus dorsalis den Körper abschaltet, kann er uns in eine Immobilität oder Dissoziation versetzen. Zusätzlich zur Beeinflussung des Herzens und der Lunge beeinflusst der dorsale Ast die Körperfunktionen unterhalb des Zwerchfells und ist an Verdauungsproblemen beteiligt.

 

Der ventrale Ast des Vagusnervs beeinflusst die Körperfunktion oberhalb des Zwerchfells. Dies ist der Zweig, der dem Sozialen Nervensystem dient. Der ventrale Vagusnerv dämpft den regelmäßig aktiven Zustand des Körpers. Stellen Sie sich vor, Sie steuern ein Pferd, während Sie es zurück zum Stall reiten. Sie würden sich weiter zurückziehen und die Zügel auf differenzierte Weise loslassen, um sicherzustellen, dass das Pferd eine angemessene Geschwindigkeit beibehält. Ebenso ermöglicht der Nervus vagus ventralis eine differenzierte Aktivierung und bietet somit eine andere Qualität als die sympathische Aktivierung.

 

Die ventrale vagale Freisetzung in die Aktivität dauert Millisekunden, während die sympathische Aktivierung mehrere Sekunden dauert und verschiedene chemische Reaktionen beinhaltet, die dem Verlust der Zügel des Pferdes ähneln. Darüber hinaus kann es nach Beginn der chemischen Kampf- oder Flugreaktionen 10 bis 20 Minuten dauern, bis unser Körper in den Zustand vor dem Kampf bzw. vor dem Flucht zurückkehrt. Ventrale vagale Freisetzung in die Aktivität beinhaltet nicht diese Art von chemischen Reaktionen. Daher können wir schnellere Anpassungen zwischen Aktivierung und Beruhigung vornehmen, ähnlich wie wir dies tun können, wenn wir das Pferd mit den Zügeln kontrollieren.

 

Wenn wir in einen Hundepark gehen, werden wir bestimmte Hunde sehen, die Angst haben. Sie zeigen Kampffluchtverhalten. Andere Hunde signalisieren den Wunsch zu spielen. Diese Signalisierung nimmt oft die Form an, die wir Menschen für die nach unten gerichtete Hundepose im Yoga gekapert haben. Wenn ein Hund dieses Signal gibt, weist er auf ein Erregungsniveau hin, das intensiv sein kann. Diese spielerische Energie hat jedoch einen ganz anderen Geist als die Intensität des Kampf- oder Fluchtverhaltens. Dieser spielerische Geist kennzeichnet das Social Engagement. Wenn wir unsere Umwelt als sicher empfinden, arbeiten wir von unserem Social Engagement aus.

 

Auswirkungen des Traumas auf die Reaktion des Nervensystems

Wenn wir in der Vergangenheit ein ungelöstes Trauma hatten, leben wir möglicherweise in einer Version des ewigen Kampfes oder der Flucht. Wir sind möglicherweise in der Lage, diese Kampf- oder Fluchtangst auf Aktivitäten wie das Putzen des Hauses, das Harken der Blätter oder das Trainieren im Fitnessstudio zu lenken, aber diese Aktivitäten haben ein anderes Gefühl als wenn sie mit der Biologie des sozialen Engagements durchgeführt würden (Denken Sie "Pfeifen, während Sie arbeiten").

 

Für einige Traumaüberlebende kanalisiert keine Aktivität erfolgreich ihre Kampf- oder Fluchtgefühle. Infolgedessen fühlen sie sich gefangen und ihre Körper werden stillgelegt. Diese KlientInnen leben möglicherweise in einer Version des permanenten Herunterfahrens.

Peter Levine, ein langjähriger Freund und Kollege von Porges, hat die Reaktion auf das Herunterfahren durch Tierbeobachtungen und Körperarbeit mit KlientInnen untersucht. In „Waking the Tiger: Healing Trauma“ erklärt er, dass das Auftauchen aus dem Stillstand ein Schaudern oder Schütteln erfordert, um schwebende Kampf- oder Fliegenergie abzulassen. In einer lebensbedrohlichen Situation können wir uns wecken, wenn wir abgeschaltet sind und eine Möglichkeit zum aktiven Überleben besteht. Als Berater können wir diesen Wechsel von der Abschaltung zum Kampf oder zur Flucht erkennen, wenn ein Klient von einer Depression in eine Angst übergeht.

 

Aber wie können wir unseren KlientInnen helfen, in ihre Biologie des sozialen Engagements einzusteigen? Wenn Klienten dissoziativer, depressiver und stiller leben, müssen wir ihnen helfen, vorübergehend in den Kampf oder die Flucht zu wechseln. Wenn KlientInnen die Intensität des Kampfes oder der Flucht bemerken, müssen wir ihnen helfen, ein Gefühl der Sicherheit zu finden. Wenn sie spüren, dass sie in Sicherheit sind, können sie in ihr Social Engagement System wechseln.

 

Das Wahrnehmen und Bewusstwerden von Vorgängen im Körper, kombiniert mit einer achtsamen, traumatherapeutisch verbalen Begleitung, ermöglicht es den KlientInnen, aus dissoziativen Abschaltreaktionen auszusteigen und mit einem Gefühl der Sicherheit hinzuschauen. Wenn sie in ihrem Körper präsent sind, können sie in ihrem eigenen Tempo beobachten, welche Empfindung denn unbewusst immer als Bedrohung eingestuft wurde. Sie sind nicht mehr überflutet von den grossen unbekannten Reaktionen ihres Körpers. Auf diese Weise können sich diese KlientInnen sicher genug fühlen, um in die Biologie des sozialen Engagements einzusteigen und neue, positive Erfahrungen zu machen.

 

Spezifische Aspekte der Funktion des ventralen Vagusnervs

Porges entschied sich für den Namen "Social Engagement System", weil der Ventrale Vagus das Mittelohr beeinflusst, das Hintergrundgeräusche herausfiltert, um das Hören der menschlichen Stimme zu erleichtern. Es beeinflusst auch die Gesichtsmuskulatur (5. und 7. Hirnnerv) und besitzt damit die Fähigkeit, kommunikative Gesichtsausdrücke zu machen. Schließlich beeinflusst es den Kehlkopf und damit den Stimmton und das Stimmmuster und hilft Menschen, Klänge zu erzeugen, die sich gegenseitig beruhigen.

 

Seit der Veröffentlichung von The Polyvagal Theory (Neurophysiological Foundations of Emotions, Attachment, Communication und Self-Regulation im Jahr 2011) hat Porges die Verwendung der Klangmodulation untersucht, mit welchen Sie die Mittelohrmuskulatur trainieren. Er entwickelte das Safe and Sound Protocol, ein fünftägiges Hörtraining, welches die Neuroregulation nachweislich optimiert. KlientInnen mit einem schlechten sozialen Engagement haben möglicherweise Probleme mit dem Innenohr, die es ihnen erschweren, von den Stimmen anderer beruhigt zu werden. Als TherapeutInnen sind wir uns unserer Stimmmuster und Mimik bewusst und sind neugierig auf die Auswirkungen, die diese Aspekte unserer Kommunikation auf unsere KlientInnen haben.

 

Auch die Atmung hat einen direkten Einfluss auf die Aktivierung des ventralen Vagus: Ein längeres Ausatmen als ein längeres Einatmen aktiviert das parasympathische Nervensystem. Ein längeres Ausatmen hilft, trotz Festsitzen in den Zuständen von Kampf- oder Fluchtreaktionen, ein Gefühl der Sicherheit zu entwickeln. Man hat festgestellt, dass bei KlientInnen, die in einer Art Stillstand stecken, bewusste Atemarbeit die Kampf- oder Fluchtreaktion auslösen kann. In diesem Fall muss die Kampf- oder Fliegenergie durch Bewegung freigesetzt werden, damit die Betroffenen ein Gefühl der Sicherheit finden. Zum Beispiel müssen sie möglicherweise an Ort und Stelle rennen oder ein Kissen lochen. Die Hierarchie der Funktionsweise des Verteidigungssystems erklärt diese therapeutischen Techniken.

 

Porges war in seiner Jugend ein Klarinettenspieler und erinnert sich an die Wirkung der Atemmuster, die zum Spielen dieses Instruments erforderlich sind. Und so besitzen auch das Singen und das langsame Sprechen eine deutliche vagusaktivierende Wirkung. 

Praxis für BodyMind-Therapie

Stéphanie Maurer

Hotwiel 1

8634 Hombrechtikon

+41 76 482 10 68

info@my-tide.ch

076 482 10 68